Die ersten Funken für den Verein VIVA Randerscheinungen hat eine Handvoll Menschen in Buenos Aires 2012 versprüht. Damals schon mit dabei: Maximilian Huber, Julian Pietsch oder auch Souhaila Amade. 2013 kam das erste Theaterstück, „Randerscheinungen“. In diesem Jahr stehen die Mitglieder und zahlreiche Externe zum zehnten Mal auf der Bühne: mit „Stolz und Vorurteil – Regenbogen Edition“.
Landsberg – „Stolz und Vorurteil“. Das ist Jane Austen. Das heißt England, Korsett, unzählige Bennet-Schwestern. Und der sehr stolze und noch reichere Darcy. Das heißt aber auch Inanspruchnahme des persönlichen Glücks – und das natürlich auch dann, wenn der Weg dahin und auch das Ziel unkonventionell sein sollten. In Jane Austens Roman von 1813 geht es um Liebe – und um Menschen, die nicht in das Normbild der Gesellschaft passen. Dass der soziokulturelle Verein VIVA Randerscheinungen, der sich für Menschenrechte, Vielfalt und gegen Diskriminierung einsetzt, diesen Stoff für sein aktuelles Theaterstück ausgesucht hat, ist nachvollziehbar. Auch deshalb, weil das 31-köpfige Ensemble – 21 Sprechrollen, zehn Komparsen – vor Diversität nur so strotzt.
VIVA Randerscheinungen bringen Jane Austen auf die Bühne – mit Tanz und Musik
Die Stückautoren Maximilian Ferdinand Huber, Lydia Liedl und Emanuel Kasprowicz haben den Stoff modernisiert und auf die queer-inklusive Version umgeschrieben. So spielt die Handlung in Diversialotringen. „Die Figuren haben wir teilweise angepasst“, erzählt Max: „Wir haben sie modern gelesen. Denn man kann Darcy durchaus auch als Autist sehen. Und auch als nicht binär.“ Dazugepackt haben die Autoren viel Humor, in Parodien zum Beispiel zum Heldenbegriff mit einem witzig verfremdeten Schwertkampf. Der Text ist hingegen meistens ‚klassisch‘, orientiert an der Buch- und der Filmvorlage von 2005. Es gibt Musik von Klassik bis Punkrock und Pop. Und es gibt neue Figuren in dem Stück – beispielsweise eine Königin, die wie auch die Köchin und die Mätresse den Erzählerpart für die nicht unkomplexe Handlung übernehmen. Dazu kommt das Element Tanz – zum Beispiel ein an Flamenco angelehntes Arrangement, bei dem alle Schauspielenden dabei sind.